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Tuxer Riese

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Neues vom Tuxer Riesen (Sage)

Vor sehr, sehr langer Zeit, als in Den Alpen noch wilde Tiere wie Wölfe oder Bären die Gegend unsicher machten, kam vom fernen Italien über Südtirol ein furchtbarer Riese ins Nordtiroler Tuxer Tal. Die Bauern, die der Natur gerade mal das Allernötigste zum Leben abringen konnten, mussten das Ungetüm unentwegt bewirten und verköstigen.

Der Riese hatte sogar gedroht, die Kinder aufzufressen, wenn er nicht genügend zu essen und zu trinken bekommen sollte. Und er hatte wahrhaft einen Riesenhunger!

So kam es vor, dass er einen ganzen Steinschafwidder mit Gehörn, Knochen, Haut und Haaren auf einmal auffraß. Dazu musste Ihm eimerweise warmes Wasser, welches in Hintertux so einfach aus dem Berg hervorsprudelt, gebracht werden. Das schlimmste aber war, dass die Bestie garnicht daran dachte weiter zu ziehen. Im Gegenteil: Der Blick hinauf zu den Gletschern der Gefrorenen Wand Spitzen und des Olperers gefiel ihm gar zu gut.

Außerdem genoss er es, stundenlang seine Füße im warmen Thermalwasser zu baden. Er beschloss, zur Verzweiflung der Hintertuxer, für immer zu bleiben. Und der Quälgeist trieb es immer bunter. Er verlangte nach der Besten und Schönsten aller Tuxer Kühe, denn er wollte ein Festmahl serviert bekommen.

Er befahl zwei jungen Burschen, das edle Tier von der Almweide "Waldeben" herunter ins Dorf zu treiben. So machten sich diese auf den Weg, vorbei am "Kaiserbründl", dem "Schrauben-" und dem "Kesselfall". Als die Beiden das geheimnisvolle "Walfischmaul", einen riesigen Felsblock, passiert hatten, geschah etwas Unheimliches: Es öffnete sich der Waldboden rechts des schmalen Pfades, und aus einer Höhle erschienen drei "Wilde Fräulein".

Diese "Saligen" hatten Bauern schon oft in Not geholfen und auch ihr krankes Vieh geheilt. Sie sollen in einem Eispalast tief im Gletscher wohnen und nur alle hundert Jahre zeigen sie sich einzelnen, gutherzigen Menschen. Die Burschen erschraken und fielen vor den schönen Bergmaiden auf die Knie. Die "Saligen Fräulein" versprachen zu helfen. Sie rieten den Beidensie sollten die gesamte kleine Kuhherde hinter dem großen "Kunerfall" in einer verborgenen Höhle verstecken. Und so schnell wie sie erschienen waren, so schnell waren sie auch wieder verschwunden. Nur die "Frauenhöhle" ist geblieben.

Als die Bauernburschen zurückgekehrt waren, erklärten sie voller Angst, die Herde sei spurlos verschwunden. Ungläubig grübelte der Riese vor sich hin. Dann aber begann der Riese vor Zorn zu glühen. Er stampfte so wild, dass die Erde bebte und mit seinen furchtbaren Fäuste trommelte das Monster auf den gegenüber liegenden Steilhang! Dort lösten sich wuchtige Felsen und ein gewaltiger Bergsturz donnerte ins Tal! Die aufsteigende Staubwolke soll sogar im vorderen Zillertal zu sehen gewesen sein und dieser Felssturz ("Schmiedljoch") ist auch heute noch eindrucksvoll vor Hintertux zu bestaunen!

Nun aber wollte der Riese selbst nach der Herde Ausschau halten. Er stieg hinauf zur Wandspitze. Hier hatte er den besten Blich hinunter auf die "Waldeben". Er spähte hinüber zu den Wasserfällen, sein Blick schweifte kurz über den Gletscher, da stach ihm ein funkeln ins auge. Beim genauen Hinsehen erkannte er einen großen, pechschwarzen Bergkristall auf der blendend weißen Firnfläche oben an der Gefrorenen Wand Spitze! Neugierig schritt er über das "Weitental" und dem "Tuxer Joch" zum Eispanzer des Gletschers. Als er näher kam und den funkelnden Edelstein in seiner vollen Pracht sah, erfasste ihn blinde Gier und tiefes Verlangen. Unbedingt wollte er den Kristall besitzen, denn man sagt (auch heute noch) diesen "Morionen" geheimnisvolle Kräfte nach. Just in dem Moment, da er nach dem Juwel griff, knackte und krachte unter seinen Füßen das Eis! Blankes Entsetzen war ihm ins Gesicht geschrieben, denn der Boden unter seinen Füßen begann zu bersten und zu brechen! Ein gähnend schwarzer Abgrund tat sich auf und verschlang das Ungetüm!!!

Ein letzter Schrei von Todesangst verhallte und vergellte in der Tiefe... Wochen später fegte der erste herbstliche Schneesturm über dem Gletscher. Vom Krater, der beim Einsturz entstanden war, war endgültig nichts mehr zu sehen. Und die Zeit verrann,... Generationen von Menschen kamen und gingen seither, und die Geschichte wurde immer weitergegeben.

Doch wenn man heute, tausend Jahre nach dem Ereignis, vom Tuxer Riesen spricht. so meinen die meisten wohl die gewaltigen Eismassen des Hintertuxer Gletschers. Andere glauben in einer Schneefigur, die jedes Jahr im Mai bei der Schneeschmelze im Bereich der Lärmstange aufs Neue entsteht, die Umrisse und Gestalt sowie den Geist des Riesen zu erkennen. Will er uns mahnen, dass Lieblosigkeit, blinde Wut und Terror gegen die Mitmenschen irgendwann zum Absturz führen?

Author: Roman Erler

Quelle: Zillertaler Heimatstimme, 64. Jahrgang, Ausgabe Nr. 24, 20. Juni 2010